Sonntag, 17. Oktober 2010

Turnpike, Single, Gewichte

Ich habe ja geschrieben ich werde mich nach Möglichkeit mal um die Gewichte, leer und beladen, eines Turnpikes kümmern. Hier sind sie.

Ich hatte vergangene Woche den Auftrag von Winnipeg nach Brandon zwei leere Trailer beim Kunden bereit zu stellen. Dieser Kunde ist ein großer Schlachter. Deswegen Reefer (Kühler).

Wenn man aus Winnipeg raus fährt, fährt man in Headingley an einer DOT Waage vorbei, oder bei blinkenden Lichtern drüber.(DOT = Departement of Transportation)
Diese Waage ist eine 24/7 Waage, kann also rund um die Uhr kontrollieren. Weil es eine DOT Waage ist, sollte diese geeicht sein! Da die Waage keine Lichter blinken lies, die zur Kontrolle zwingen (ein ignorieren der Blinklichter wird teuer!!) dachte ich mir:
„gute Gelegenheit um die Gewichte aus zu loten. Also:
Steering: 4760 kg (Lenkachse)
Drives: 7000 kg (Antriebsachsen)
Trailer 1 4380 kg (Hinterachsen erster Trailer)
Converter 4960 kg (Vorderachsen des 2ten Trl, eigenständiger 2 achsiger Anhänger)
Trailer 2 4290 kg (Hinterachsen zweiter Trailer)

Macht zusammen ein Leergewicht bei vollem Tank: 25390kg


Und so sieht das dann aus!







Auf zum Kunden!

Dort angekommen spotete ich die Trailer und bekam gleichzeitig meine beladenen Trailer Nummern. Ladegewichte jeweils 18434 kg und 18313 kg.

Ich hookte als auf, fuhr zu einer Firma mit Waage. Die Waage gab mir folgende Gewichte:
1: 4820 kg
2: 15740 kg
3: 14400 kg
4: 8770 kg
5: 42350 kg
Gesamtgewicht: 86080 kg.

Ok, das war wohl nix. Nicht weil zu schwer, ich kann dort meinen Turnpike nicht legalizen, auf dem Receipt steht: DAI Guarantee does not apply to B-train weighing on this scale.

Was bedeutet: Dass noch nicht einmal die kürzeren B-train dort richtig gewogen werden, man kann also ausschließlich Single Semis dort wiegen. Ich fuhr also aus Brandon raus, um auf dem Highway Richtung Regina auf der Highwayscale der DOT (ca.15km entfernt) zu wiegen, ähnlich wie in Headingley, nur ohne Kontrollhäuschen.
Diese Waage gab mir folgende Werte.
1: 4830 kg
2: 16040 kg
3: 14210 kg
4: 13940 kg
5: 14060 kg
Rechnet man das zusammen kommt man auf 63080 kg.
Diese Werte sollten stimmen, da auch diese Waage eine DOT Waage ist.
Erlaubt sind in Manitoba 62500 kg für Turnpikes, was sagt uns das wenn wir die absolut im legalen Bereich liegenden Achsgewichte betrachten??
Auf die Antwort meines Dispatches was ich tun solle warte ich bis auf das „Thank you“ heute noch.
Wäre ich nicht weiter gefahren, denn 120km später bin ich ja in Saskatchewan und dort sind 63500 kg erlaubt würde ich wohl jetzt noch da stehen....
Dieses bedeutet für mich: wieder einmal gelernt! Und ganz wichtig: Ich weiß jetzt das wenn ich zwei Trailer bei diesem Kunden aufnehme mit mehr als je ca.18000kg, das ich diese nur als Single fahren kann, denn zur Provinzgrenze nach SK sind es rund 150km und das bedeuten 150kg nicht legal. Wenn ich gestoppt werde und man heraus findet das ich zu schwer bin, zahle ich das Ticket, nicht der Kunde, nicht meine Firma. Es gibt den schönen Spruch der einerseits Sinn macht, anderer Seits der Firma einen Freibrief verschafft: The driver is responsible. (for everything).Ich möchte die Frage stellen: Muss das sein?
(Wieder bekam ich von einem "alten Hasen" erzäht das dieses Ticket bei etwa 2500$ startet...)
Ich habe seit dem mit einigen Turnpike Fahrern gesprochen die mir alle dieses Problem bestätigten und sagten das exakt diese Tour, die täglich geht, zu 70% zu schwer ist. Nochmal: Was soll das?
Das Gesetz ist doch eindeutig, 62500kg Maximum. Basta!
Ich wog diesen Truck jeweils als single Trailer und bekam folgende Gewichte:
erster Trailer mit meinem Truck.
1: 4630 kg max. 5500 kg
2: 15760 kg max. 17000 kg
3: 14210 kg alles legal max. 17000 kg

Zweiter Trailer mit meinem Truck
1: 4630 kg
2: 15730 kg
3: 14090 kg

wiederumalles legal als Singel Semi, man hätte sogar noch mehr laden dürfen.

Der Dollyconverter wiegt übrigens 2240 kg. Das ist ein kurzer Anhänger mit zwei Achsen und einer Sattelkupplung (fifth-wheel) worauf der 2te Trailer befestigt wird um ihn ziehen zu können, siehe Fotos.

Einige Tage später sprach ich mit einem erfahrenen Turnpikefahrer, dem schilderte ich die Tour und die Gewichte. Ich hatte mir sogar die Arbeit gemacht diese ganzen Gewichte für meinen Supervisor nieder zu schreiben und so konnte ich ihm genau die Situation schildern.
Seine Antwort war: "You can't legalize that load, not in Manitoba, you are totaly over grossweight, and not in Saskatchewan, your middle are over...."
Er erklärte mir dann was man in der Schulung nicht erklärt bekam. Wie ihr nun wisst kann man die Achsen eines Trailers verschieben, zum Ende oder Richtung mitte, ich glaube das maximale ist die 36foot Marke. (36x 30,5cm vom Anfang gemessen).
Die Mitte zwischen Tandemachsen erster Trailer und Dollyconverter sind entscheidend, jeweiter die von einander entfernt sind (max. 3,8mtr) umso mehr kann dieser Axlespread laden. Verringere ich den Abstand durch verschieben der Trailerachsen des ersten Trailers nach hinten... umso weniger gewicht kann ich laden. bei 3,8mtr sind das dann 26100kg. Jetzt dürft ihr zurückscrollen und Achsgruppe 3 und 4 addieren... ;-)

Trotzdem, irgendwie fängt es glaube ich aber auch an Spaß zu machen diese Turnpikes zu fahren, weil hier ist teils doch schon fahrerisches Können gefragt, beim rangieren, aufhooken, und auch beim abbiegen.
Die gibt es in Regina eine Stelle da muss ich rechts abbiegen, das Ende steht tatsächlich auf der Rechtsabbiegerspur, quer über die beiden mittleren Geradeausspuren und ich stehe mit der Zugmaschine auf der Linksabbiegerspur und habe den Blinker rechts.. Keiner kommt mehr durch. Und wenn ich dann im großen Bogen nach rechts fahre, rumpel ich trotzdem über den Bordstein weil ich sonst die Kurve nicht schaffe, also schon 'ne enge Sache. Wenn ich aber noch ein wenig mich weiter bilde und übe, vielleicht komme ich doch dann mal auf die IceRoad. Das würde mich echt reizen! Ok, es ist kalt, aber nicht viel kälter als bei uns, das ist eigentlich nicht nennenswert.
Das Eis, die Seen, der Zeitdruck, die (langsamen) Geschwindigkeiten und die Kameradschaft.
Wenn ich mir Alex, Hugh und wie sie alle heißen bei HISTORY anschaue, oder auf meinem Laptop, muss ich feststellen, manche Dinge werden echt überdramatisiert. Das Eis wird regelmäßig gecheckt, die Fahrer andauernd gebrieft, eigentlich geht niemand alleine auf's Eis, ständig werden Beobachtungsposten passiert, man ist per Funk immer verbunden. Wenn man kein Draufgänger ist, seinem eigenen Können vertraut, die Maschine in der man die Zeit über lebt, kennt und sich darum kümmert, was kann da jetzt noch passieren. Bei allem was man im Leben tut ist ein Risiko. Aber ein Risiko ist auch immer nur relativ, und wenn ich durch Eigendisziplin mein Risiko minimiere, kann ich relativ viel Verdienen bei relativem Risiko. Ob ich bei -30°C einen Turnpike über die Prärie ziehe mit einem Seitenwind von ca. 50 km/h, oder mit 25 km/h einen Schwertransport geführt über das Eis fahre, wo ist das Risiko höher, ich denke: Es ist relativ....
Ich habe mit meiner Frau darüber gesprochen, wir kamen zu keinem „Nein“.
Ja ich habe Kinder, ja ich bin verheiratet, aber das sind Alex und Hugh auch, und doch sind sie jeden Winter da, und das seit Jahren..... Es bleibt immer ein Risiko, auch im Sommer bei trockenem Wetter und guter Sicht. Rober, ein neuer Kollege und Canadier sagte: Truck fahren ist immer 90% Glück und 10% Können...
In diesem Sinne: Take care, and a safe trip!

(Bilder muss ich nachreichen, habe die Kamera im Truck vergessen... ich hab so viele davon, lol!)

4 Kommentare:

  1. schön mal mehr von den Turnpikes zu lesen, ich als tourist fand die dinger faszinierend!
    und du scheinst ja echt vergesslich zu sein, immer liegt deine Kamera im Truck, lass dir mal ne andere ausrede einfallen ;)

    AntwortenLöschen
  2. Danke fuer die ausfuehrlichen Gewichte Kollege Totti. Sehr informativ.
    Axel

    AntwortenLöschen
  3. Moin Totti,


    ich habe Dir noch einen Kommentar zu Deinem Bericht " Der Bulle.... " von Anfang Oktober geschrieben :-)


    Tschüßß bis später

    BPC

    AntwortenLöschen
  4. Hey Totti,
    ja, dass war mal wieder interressant und lehrreich. Ich finde auch, wenn man verantwortungsvoll und mit genügend Vorsicht agiert, kann man auch als Iceroad-Truckes eine Geld verdienen. Auch, oder sogar gerade, wenn man eine Familie zu ernähren hat!
    Was macht Eure PR, schon was gehört?!
    Liebe Grüsse
    Walter, Berit und Jule

    AntwortenLöschen