Die Woche nach meiner Rückkehr aus Deutschland haben Kat und ich genutzt, um gemütlich und ohne Hetze soviel Kleinkram wie möglich in die neue Wohnung zu schaffen. Das konnte ich prima mit meinen blauen Van erledigen. Fünf Ladungen hab ich hoch gebracht und das ganz ohne Stress.
Samstag, den 26. 02. kamen dann Walter, Lloyd mit seiner Judy und Ilia, um beim Umzug zu helfen. Kat, die Kinder und Judy sind zu unserem neuen Domizil gefahren und die Männer halfen mir bei den Möbeln. So viele waren es ja nicht. Couch, Bett, 2 TV Schränke, Wickeltisch und die Kinderbetten, dass waren eigentlich die schwersten Dinge, die wir haben. Keine Waschmaschine, keinen Kühlschrank oder gar ganze Küche.... Hier ist ja in den Appartements die Küche schon komplett und ist Mietgegenstand. Die Waschmaschine und der Trockner ebenfalls, aber es sind auch Gemeinschaftsgeräte, naja da ist Waschqualität nicht unbedingt das was man möchte... Kat war nie begeistert! Nach nur 2 Stunden hatten wir, dann auch noch mit Jeremy, der in der neuen Wohnung dazu kam, alles von der alten Wohnung bereits in der neuen Wohnung eingeräumt. Das ging Ruck-zuck!
Ein DANKE an alle Helfer!
Montags habe ich dann noch meinen Führerschein bei SGI erneuert und die haben noch gecheckt, ob die neuen Fahrzeugpapiere (neue Adresse) angefordert sind. Ich fuhr zum Yard, checkte meinen Truck und sagte dem Werkstattmeister Bescheid, dass ich für Dienstagmorgen Starthilfe brauche, weil mein Truck in den 2 Wochen Pause zum Eisblock eingefroren war und nur müde den Motor dreht und nicht anspringt. Am nächsten Morgen dann mein Anruf beim Dispatch, das ist zur Zeit mein Supervisor, weil mein Dispatch am Freitag vorher den letzten Tag hatte. Sie hat gekündigt und eine weitere Kollegin wird in den nächsten 2 Wochen ihren letzten Tag haben... Aber etwas merken tut das Management noch nicht, oder?
Jedenfalls sollte ich dann zum Yard kommen, man würde schon was finden.... solche Aussagen kann ich nicht leiden. Geplant war jedenfalls nichts. Ich war gegen 10.00 Uhr dort und fuhr kurz vor 11 Uhr wieder heim, weil der Truck noch immer nicht gestartet wurde. Gegen 14 Uhr dann wieder mein Anruf und ich bekam die Info nach Vancouver. Erinnert ihr Euch an meine Reifen? Nach dem Gesetz zwar noch ausreichend Profil, aber trotzdem fast am Limit und abgefahrene M+S Reifen sollten mich dann über die Rockie Mountains bringen. Mein Supervisor und Dispatch diskutierte mit mir herum und meinte dann, ich habe ja die Möglichkeit die Tour wegen „Safety issue“ ablehnen, aber sollte wegen der Profiltiefe kein „Safety Issue“ vorliegen, habe die Firma nur eine Lösung.....
Okaaayyyy, jetzt droht man schon mit Kündigung? Ich habe mich dann recht böse verabschiedet und habe meine Ladung genommen. Auf dem Weg nach Kelowna, BC habe ich mir dann Gedanken gemacht, wie ich nun vorgehen werde. Denn den Coquihalla (steilster Anstieg in den Rocky's, „die Klippe nach Vancouver“) muss ich ja runter... Das ist eine Gefällstrecke von ca. 4km mit einer leichten Linkskurve und da geht es RICHTIG runter! Dort ist fast das ganze Jahr über Schnee, außer vielleicht im Juli, August und September nicht, aber sonst schon! Ich erreichte den Coqui. Die Strecke von Kelowna über Merrit zum Coquihalla war schon heftig - Schnee, glatt und 'ne Sicht von teils 20 Meter und weniger. Am Coqui überlegte ich dann: runter oder schlafen? Es hatten sich schon viele Trucks dort angesammelt und runter wollte irgendwie keiner. Ich entschloss mich bis Chilliwack zu fahren. Also, tief durchatmen, konzentrieren, Knie zusammen und ab an den Abhang. Ich machte langsam, ca mit 10 km/h und nur der Motorbremse schön gleichmäßig den Abhang runter.... seltsamer Weise folgten mir auf einmal unzählige Trucks, hatten die nur auf einen gewartet der den Anfang macht? Warmduscher :-)! Ich kam langsam, aber heil unten an, ohne zu schliddern. Ein Truckwrack war am Straßenrand, die Schlafkabine weggerissen fern von Rahmen, Motor und Motorhaube, die Fahrerkabine recht zerfetzt. Ich kann nur hoffen das dieser Fahrer nur mit dem Schrecken davon kam! Ich kam dann heile in Chilliwack an und war nach 13 Stunden Lenkzeit doch recht müde und habe guuut geschlafen. Am nächsten Morgen dann die restlichen 90km ins Yard, wo man mich dann wieder einen ganzen Tag rumstehen ließ, obwohl meine Rückladung schon seit dem Nachmittag abfahrbereit war! Unfähigkeit halt! Am Freitag startete ich dann um 6:00 Uhr Richtung Regina! Ich nahm aber in Hope den Umweg durch den Canyon nach Kamloops. Dann muss ich nicht den Coqui hoch und spare mir dann die Gefahr Ketten aufziehen zu müssen, wie es die Nacht zuvor der Fall gewesen ist. Coqui hoch nur mit Ketten. Die Police und die DOT hatten kontrolliert und 200$ Tickets geschrieben für die, die es ohne Ketten versuchten.
Die Fahrt nach Calgary war okay, aber auch viel Schmelzwasser auf der Straße. Habe einige Fotos gemacht, auch von diesem Truck und Trailer....
Videos habe ich gemacht am Roger Pass (andere Seite) durch die 7 Tunnels und nach Golden den „10 Mile Hill“ hoch. Meine Frau kann so auch mal „dabei“ sein. Ich versuche mal das Ganze hier irgendwie auch per Video rein zu bekommen!
(Ick wees blos nit wie)
In Calgary traf ich dann Lloyd und übernachtete im Yard mit meinem Truck, am nächsten Morgen dann weiter nach Regina. In Medicine Hat wollte dann mein Heater nicht mehr. Mein Trailer hatte ein Heizaggregat. Dieses soll Wärme erzeugen, damit die Ladung keinen Frost bekommt. In BC ist es aber nicht so kalt wie bei uns in der Prärie. Die Vancouver Region hat europäisches Klima und deshalb wird der Winterdiesel nur bis -10C gemixt. Wenn es kälter wird, kristallisiert der Diesel und Dieselfahrzeuge haben ein Problem. Deshalb nutzt man dann solche Additive, die man beim Tanken dazu gibt und der Diesel bleibt flüssig. Der Heater wird auch mit Diesel betrieben. Der Tank war voll und ich denke das kein Additiv beigemischt war. Am Morgen sprang er dann nicht mehr an, weil kein Diesel ankam. Die Reparatur dauerte 4 Stunden bis er wieder tuckerte und heizte.
In Swift Current tuckerte er auch noch, in Regina dann aber nicht mehr. Nach Rücksprache mit dem Nightdispatch parkte ich den Trailer dann in der geheizten Werkstatt und konnte dann um Mitternacht endlich wieder ins Bett!
Es ging dann am frühen Sonntag Nachmittag zurück nach Calgary und am Montagvormittag wieder nach Vancouver. Es war herrlicher Sonnenschein, die Straße weitest gehend trocken. Durch das schöne Wetter war ich auch in der Lage wieder das eine oder andere Video zu machen, dieses Mal Richtung Westen, den „10 Mile Hill“ runter, nach Golden rauf... Dort standen dann auch die Big Horn Cheeps und Deers wie gerufen am Straßenrand. Ich hatte nur rund 5 Tonnen geladen. Klar, Kartoffelchips wiegen ja auch nix! So war ich dann schnell am Ziel. Dann in Vancouver wurde ich wieder mal weg geparkt. Es waren einige andere Trucks von HWT hier unten. Wenn ich richtig gezählt habe, waren es 7 HWT'ler und mit mir 3 KTL'ler, ohne die, die noch sonst wo bei TIM HORTONS oder irgendwo fern vom Yard standen. (HWT ist auch eine Firma, die wie Kindersley, zur Siemens Gruppe gehört) Als ich dann endlich einen Trailer bekam, mal wieder mitten in der Nacht, wurde mir dieser wieder weggenommen. Die Gründe sind nicht nachvollziehbar. Angeblich nicht fertig... Warum wurde er dem Central Dispatch denn zum disponieren freigegeben??
James Dean hatte in diesem Film mal die Hauptrolle.....“Denn sie wissen nicht was sie tun“.... (aber das voll und ganz!)
Ich bekam aber einen anderen Trailer mit einem platten Reifen und nicht funktionierender Beleuchtung. Ich rief also an und bat um Hilfe, „....da musste noch 'ne Stunde warten, bis das Callcenter da ist...“ Das Callcenter ist erst ab 7 Uhr erreichbar. Dieses wollte anschließend einen Werkstattzettel (Crysheet) von mir... eigentlich nicht, wenn ich „auf Tour“ bin, dies bestätigte mir dann auch mein Dispatch, der deshalb lachen musste und fragte „Was..??? Nee, die sollen mal jemanden schicken!“ Und mein Supervisor bestätigte auch meine Frage, also kein Crysheet, er verband mich wieder mit dem Callcenter, diesmal mit jemanden, der wusste, was er tut.... (ich glaub der ist damit recht alleine)
Nach 5 Stunden konnte ich dann endlich los. Ab zum Wiegen, über die Brücke, über die 88 Ave zum Transcanada Highway No 1. In Chillwack habe ich getankt und Kaffee und mir'ne Gyros Pita geholt. Leute (!), mit einem schönen deutsch/türkischen Döner nicht zu vergleichen, aber es war lecker, anders halt! Dann ging's weiter. Kurz vor der DOT-Scale in Hope sind 3 Schilderbrücken, die die Straßenverhältnisse anzeigen... Bei Alexandria „all Trucks chain up“, also Ketten auflegen. Es hatte die ganze Nacht schon geregnet in Vancouver, das bedeutet am Coqui Schnee und das mit viel Gewicht.... Ich entschied mich dann kurzer Hand durch den Canyon zu fahren. Dies bedeutet zwar einen Umweg bzw. Mehrkilometer, aber es ist eine Schulbusstrecke, also ständig gestreut und geräumt.
Nach ca. 35 km in diesem Canyon traf mich fast der Schlag. Dieses doofe Schild an der „Chain up area“ (Halteplatz, um Ketten auf zu ziehen) blinkte doch tatsächlich mit den gelben Lampen, die jeden Truckfahrer verpflichten, die Ketten aufzulegen und es standen auch schon einige Trucks dort, nur zog keiner Ketten auf. Die Trucks die vom Berg kamen, hatten keine drauf und einige Trucks hielten erst gar nicht an. Ich war mir etwas unsicher. Es sah nicht nach solch schlimmen Verhältnissen aus, aber das kann sich schnell ändern und dann hängt man da. Was mache ich jetzt? Ehrlich gesagt, ich habe dieses Jahr Glück gehabt und nicht Aufketten müssen und eigentlich sollte das so bleiben! Per Funk habe ich gefragt ob es nötig ist, 1 Mal, 2 Mal, 3 Mal, nach dem ca. 10ten nachfragen ohne Antwort fuhr ich los, ohne die Ketten aufzulegen. Hat alles prima geklappt! Es war nicht nötig, Der Schnee war zwar ordentlich gefallen, aber er war auch recht nass so das es eigentlich eher weißer Schneematsch war. Am Abend hielt ich dann in Sicamous,BC an der HUSKY an, nahm eine Dusche, gönnte mir mal etwas zu essen (zur Abwechslung neben den Leckereien, die meine Frau immer für mich fertig macht) und ging müde in die Heia! Noch 493km bis Calgary.
Meine Frau beim Essen vorbereiten, meine Wegzehrung.
Am nächsten Morgen war um 7 Uhr Abfahrt und es hatte ordentlich geschneit,
teils war es recht glatt und ich war froh, als ich in Golden,BC war. Dann noch 2x 'nen Berg hoch, nämlich den „10 Mile Hill“ und den „Sherbrook“, dann hat man eigentlich die Rocky Mountains hinter sich gelassen, zwar fährt man noch ca. 130km durch ein Tal, aber es gibt keine nennenswerte Steigungen.
Bereits kurz vor Golden bekam ich ein „Beep“ von meinem Satellit. Mein Dispatch mit einer Nachricht. Hey, das war meine Anschlussladung, nach Stoon. Oh! Da fange ich mal an zu rechnen, 13 Stunden Lenkzeit darf ich, 6 Hab ich wenn ich in Calgary bin und 6,5 brauch ich von Calgary nach Saskatoon, passt! Knapp, aber passt! In Calgary den Trailer gedroppt, Bobtail zum tanken und zum Kunden, Ruck-Zuck alles fertig und ab nach Stoon. Den Kunden angerufen, ob ich auch schon früher als 2 Uhr am nächsten Morgen ausladen kann, der hat sich gefreut. Musste ich auch, denn wenn ich um 7 Uhr anfange und maximal 16 Stunden Schichtzeit habe, ist um 23 Uhr Schluss! Um 22.45 war ich dann dort. Naja, und die paar Minuten drüber – eigentlich ein NO GO! Aber die 400 Meter in unseren Yard bin ich dann doch gefahren! Wochenende! Montag geht’s wieder raus, mal gespannt sein, was diese „professional people“ so alles hin kriegen....
Man liest sich, euer Totti!
Hey Totti, schön, dass du heil zurück bist! Habe übrigens gerne geholfen, jederzeit gerne wieder! Und Videos kann man im Blog genauso einfach hochladen wie Fotos, ist der Link rechts daneben! ;-) (sieht aus wie eine "Regieklappe") Du machst das schon, sonst einfach Bescheid geben, dann zeige ich es Dir!
AntwortenLöschenLiebe Grüße, Walter
Danke Walter! Bierchen steht kalt, ich lasse mir gerne Lektion in Sachen MOVIES geben ;-)
AntwortenLöschenFuer die Schaulustigen unter Euch die Bilder alleine noch nicht befriedigen noch nen paar Infos,
AntwortenLöschender halbierte Trailer stammt aus einem Unfall in der Nacht bei dem ein Truck bei Glatteis ueber die "Klippe" gegangen ist und beide Insassen ums Leben gekommen sind, leider hab ich keine Namen und keine Bilder von den Leichen gemacht,sorry.
Steffen
Lieber Steffen, das wir uns nicht falsch verstehen: Dieses Bild steht nicht für Schaulust, es ist für jedermann wissenswert WAS passieren kann. Leichen, Verletzte bzw Opfer wirst Du in meinem Blog nicht finden. Es ist für meine Freunde und Familie in Deutschland interessant, womit ich und meine Kollegen jeden Tag konfrontiert werden. Dass das Ganze auch Gefahren mit sich bringt, in der tagtäglichen Hetzerei unserer Dispatches versuchen wir trotzdem einen 100%igen Job zu erledigen. Dass es aber auch Unfälle, geringfügig oder tödlich, gibt sollte jedem von uns in Erinnerung rufen, jeder einzelne ist NICHT ERSETZBAR! Traurig um die Opfer dieses Unfalls, ruhen sie in Frieden! Und alle Anderen gehen vielleicht etwas früher mal auf die Bremse, oder bleiben gar stehen, weil es nicht mehr geht. Außerdem halten diese vielleicht auch mal die maximalen 90km/h ein und drängeln einen nicht mit 100 oder mehr einfach weg. Es ist keine Berichterstattung im "BILD"-Style, und auch keine Sensationshascherei, es ist das was wir, auch Du, täglich erleben. Keine schönfärberei und keine Lügerei - die nackte Realität. Dir und allen Anderen, allzeit gute Fahrt! Euer Totti
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